Leben als Mummy

„Meinen Brei den ess ich nicht!“ – unsere Abstillgeschichte

Es ist Ostermontag 2017 – wir sind 3 Tage stillfrei!

Mein Kind isst, mein Kind fordert Essen ein („Na-Na-Na!“), mein Kind trinkt Milch aus einer Flasche, mein Kind schläft mit seinem Fläschchen ein. Das hätte ich noch in der letzten Woche kaum für möglich gehalten. Meine Brüste schmerzen und unsere Stillbeziehung ist nun auf einmal beendet.  Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder weinen soll.

Aber nun mal alles von Anfang an.

Unsere Stillgeschichte:

Baby C.´s und meine Stillgeschichte startete natürlich mit seiner Geburt. Grad ein paar Minuten alt, bahnte ein kleines Würmchen, dass auf meiner Brust lag, sich von ganz allein den Weg zu meiner Brustwarze, um daran zu nuckeln. Von da an lief alles wunderbar. Ich war sozusagen die geborene Stillmutti. Während andere Babys am Anfang abnehmen, nahm Baby C. gigantisch schnell zu. Ich genoss die innige Bindung zu meinem Sohn, die durch unser Stillritual entstand. Und dass es so praktisch war und ich nie an viel denken musste, ich hatte ja immer „Alles“ dabei. Ich stillte hier und da und eigentlich überall (auch da wo ich es vorher NIEMALS tun wollte). Und das ganze 11,5 Monate lang…denn… und hier kommt jetzt der Harken, Baby C. wollte nicht richtig essen und ein Fläschchen wollte er auch nicht.

Der Breikasper:

Als er 5/6 Monate alt ist fing ich hochmotiviert damit an ihm Brei zu Kochen (Kürbis). Nach 3 Tagen des Breiessens war es dann aber wieder vorbei und er wollte nichts mehr. Ich probierte endliche Breie aus (selbstgekocht und aus dem Glas) aber es war nichts zu machen. Während sogar jüngere Kinder, die uns besuchten sich innerhalb von Sekunden ein ganzes Glas einverleibten, verweigerte Baby C. meist schon den ersten Löffel.
Ich las über BLW (Baby Led Weaning) und fing an ihm das Gemüse am Stück anzubieten. Das klappte auch nur bedingt, eigentlich fand er es glaub ich nur lustig damit zu spielen. Dann machte ich, weil ich es so gelesen hatte erst mal eine Pause und kehrte zum gewohnten Vollstillen zurück.

Auch mit der Fläschchennahrung verhielt es sich ähnlich. Ca. 10 verschiedene Pulver und bereits fertige Premilch probierten wir durch, es wurde alles abgelehnt.

Brot macht die Wangen rot:

Das Einzige was Baby C. wirklich gern mochte war Brot. Ob nun als Brötchen, Dinkelbrot, Bananenbrot (seine Leibspeise) oder Kuchen, das mümmelt er gern… und als immerhin noch 1/4 Italiener natürlich auch Nudeln. Mit 10 Monaten kamen dann Quetschis ( Oh Gott, ich hätte niemals gedacht, dass ich mein Kind mal mit Obst aus einer Tube füttern werde, aber vor lauter Verzweiflung tut man ja so einiges…), diese Fruchtriegel mit Pappe drum rum und Bananen (Na-Naaaa!) hinzu.

Aber die Menge blieb gering. Wie sollte er davon statt werden? Das wurde er wahrscheinlich auch nicht, denn abends und nachts machte er mehrfach an der Tankstelle halt, um für den nächsten Tag ordentlich aufzutanken.

A never ending story?

Doch sollte das nun ewig so weitergehen? In den letzten Wochen fühlte ich mich ausgelaugt und schlapp. Ich konnte ihn nie mehr als 3-4 Stunden oder gar über Nacht in andere Obhut geben, auch wenn er das carakterlich wahrscheinlich locker mitmachen würde. Bald möchte ich wieder arbeiten gehen und im Sommer stehen sehr viele Hochzeiten in unserem Freundeskreis an, zu denen wir auch gern mal ohne Baby C. gehen möchten… achja und der Alkohol… wobei ich sagen muss: so sehr vermisst habe ich ihn nicht.

So beschloss ich vor ein paar Wochen es am Osterwochenende einfach mal durchzuziehen und Abzustillen. Das klappte auch nur so gut, weil Mr. C. darauf beharrte, dass wir das wirklich machten und mir mit viel fürsorgliche Hilfe beiseite stand. Er trung das Baby unendlich lange rum und „stillte“ es ganz oft, wie er sagte. Er meinte damit ihm ein Fläschen zu geben.

Und am Ende wird alles gut:

Klar, ist das abrupte Abstillen bestimmt nicht die beste Methode und ich hätte mir auch sehr gewünscht das Stillen nach und nach  zu reduzieren. Aber für uns war es glaube ich so richtig.  Denn auf einmal trinkt Baby C. aus der Flasche, auf einmal möchte er essen, nicht nur einen Bissen, er hat richtig Hunger. Er möchte Jogurt, Gemüse, Obstmus, Nudeln mit Soße, Bananen und natürlich Brot haben.

Und Mummy? Hatte ziemliche Schmerzen, riesige Hupen und geht alle 6 Stunden die Milch ausstreichen. Ich  kann das Baby nicht zu nah an mich ran lassen, weil er dann auf meine Brust drück. Ich laufe mit 2 ganz engen Sport-BHs übereinander rum (Nein, ich laufe natürlich nicht, das würde wehtun), trinke Salbeitee und kaue Minze. Aber das wird schon.

Ich denke ich werde aus Emotionalität noch das ein oder andere Tränchen verdrücken und immer mit etwas Wehmut an diese schöne Zeit zurückblicken, aber ich freue mich auf alles Neue was jetzt kommt. Darüber Baby C. beim Essen zuzusehen, das ist oft so lustig, wie er die Schnute verzieht bei neuen Speisen. Und über meine neue oder auch zurückgewonnene Freiheit.

 

 

 

2 Gedanken zu „„Meinen Brei den ess ich nicht!“ – unsere Abstillgeschichte

  1. Eine sehr schöne Geschichte, hat mich sehr berührt. Die Zeit war super für Mutter und Kind.
    Eine bessere Bindung kann nicht entstehen. Das Baby hat alles, was es brauchte: beste Nahrung, die alles enthält, was das Kind in den entsprechenden Entwicklungsphasen benötigt, beugt Allergien vor, liefert Immunstoffe , sättigt ideal, ist immer ideal temperiert, ist immer da, wo Mummy sich auch gerade befindet, ist immer steril, erspart Arbeit und ist preiswert .
    Stillen formt den Kiefer und ermöglicht jedes Mal Körperkontakt, Wärme, Geborgenheit, Zärtlichkeit und eine tolle Mutter-Kindbindung entsteht. Bravo, junge Mummy!

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